Ein Jahr Schweiz – unser Fazit

von | 01.02.2026 | 0 Kommentare

Zürich See

Gestern war unser einjähriges Jubiläum in der Schweiz. Am 15.03.2022 haben wir uns offiziell in Deutschland abgemeldet und in der Schweiz angemeldet. Wir können es noch nicht ganz glauben – dieses Jahr ging unglaublich schnell vorbei und fühlt sich dennoch so an, als wären wir schon viel länger hier. Nun möchten wir unsere Gedanken, Gefühle und auch Ängste mit euch teilen.

Erinnerungen

Am 21.03.2022 hatten wir unsere kleine Abschiedsfeier mit den engsten Familienmitgliedern sowie unseren besten Freunden. Es wurde emotionaler als gedacht. Langsam realisierten wir, was wir wirklich hinter uns lassen und welchen großen Schritt wir eingeschlagen hatten. Es gab großartige Erinnerungsgeschenke und wir haben die Zeit mit den wichtigsten Menschen um uns herum sehr genossen. Vereinzelt rollten ein paar Tränen, aber dennoch wussten wir: Es ist die richtige Entscheidung. Nach fast 30 Jahren kehrten wir Deutschland den Rücken zu. Ade Deutschland und Grüezi Schweiz.

Titlis

Die letzte Nacht in unserem damaligen Zuhause war für mich besonders emotional. Und dann der Moment, als wir die Haustür zum letzten Mal abschlossen und mit einem One-Way-Ticket in die Schweiz fuhren. Im Auto waren wir beide wie elektrisiert – wir haben viel geredet, gelacht und wussten gar nicht wohin mit all den Gefühlen. So viele Gedanken schossen uns durch den Kopf: Angst vor dem Versagen, klappt alles auf der Arbeit, finden wir schnell Anschluss, wie sind die Schweizer wirklich, war es die richtige Entscheidung, alles aufzugeben? Doch am Ende siegte die Vorfreude.

Unsere ersten Wochen

In der Schweiz angekommen hatten wir fast zwei Wochen Zeit, um in Ruhe anzukommen, alles auszupacken und die Umgebung kennenzulernen. Anfang April begann dann unser neues Arbeitsleben. Als Wohnort haben wir uns für den Kanton Baselland entschieden – rückblickend die beste Entscheidung für uns. Die Nähe zu Deutschland ist gegeben, Heimatbesuche sind problemlos möglich. In ca. 4–5 Stunden (je nach Verkehr) sind wir bei unseren Eltern 😊

Vorbereitung auf die Schweiz

Schweizer Landschaft

Natürlich haben wir versucht, uns auf Sprache und Kultur vorzubereiten: viel gelesen, vor allem Blogbeiträge, Schweizer Radiosender gehört sowie YouTube und TV geschaut. Trotzdem haben uns die ersten ein bis zwei Wochen eiskalt erwischt. Thomas weniger als mich, aber für mich waren die ersten Wochen auf der Arbeit sehr anstrengend.

Da ich auf dem Notfall arbeite, war vor allem das „Schwyzerdütsch“ eine große Herausforderung. Zum Glück hatten meine Kollegen und auch die Patienten viel Geduld und Verständnis. Nach einigen Wochen fühlte ich mich deutlich sicherer. Perfekt ist es bis heute nicht, aber ich verstehe mittlerweile „alles“ – und wenn einzelne Wörter doch noch ein großes Fragezeichen auslösen, frage ich einfach nach. Das Wichtigste: Ich mag die Sprache sehr und höre den Schweizern wirklich gerne zu.

Unser Fazit

Rückblickend haben wir uns viel zu viele Gedanken gemacht. Durch die freundliche und herzliche Art der Schweizer haben sich viele Dinge ganz von allein geklärt. Die Bürokratie ist hier deutlich einfacher und effizienter. Vieles läuft über Barcodes oder sogar komplett online. Qualität und Service werden großgeschrieben. Egal ob Autokauf, Versicherungen, Anmeldung, Arztsuche oder Arbeit – all diese Themen waren für uns kein Stressfaktor. Es lief alles reibungslos. Natürlich kann man Deutschland und die Schweiz nicht 1:1 vergleichen, aber nach unserem Empfinden läuft hier vieles besser.

Besonders gefällt uns die Denkweise: etwas liberaler und vieles wird hinterfragt.

Was uns bis heute noch nervt, ist vor allem die Aussage – meist von Deutschen –:
„In der Schweiz ist ja alles so teuer, lohnt sich das überhaupt?“
Nach einem Jahr Schweiz können wir darüber nur schmunzeln und klar sagen: Ja, absolut. Die Miete, Drogerieartikel und Fleisch sind teurer, anderes wiederum günstiger – zum Beispiel Elektronik, Strom und gewisse Lebensmittel.

erste CHF

Entscheidend ist die Relation zum Gehalt. Thomas (IT-Systemelektroniker) verdient gefühlt das Vierfache und ich (dipl. Pflegefachfrau) etwa das Dreifache im Vergleich zu Deutschland. Deshalb sagen wir ganz klar: Nein, die Schweiz empfinden wir nicht als teurer. Vor allem das, was wir am Ende des Monats zurücklegen können – davon konnten wir in Deutschland nur träumen, trotz Nebenjob.

Bereits nach wenigen Monaten hatten wir einen sehr guten finanziellen Puffer aufgebaut und zusätzlich eine Säule 3a. Natürlich macht Geld nicht glücklich, aber es beruhigt ungemein. Wir müssen heute nicht mehr ständig auf unser Konto schauen. Wenn wir etwas unternehmen oder uns etwas gönnen möchten (z. B. essen gehen), dann tun wir das einfach. Auch das Thema Reisen können wir hier auf einem ganz anderen Level ausleben.

Ausblick vom Pilatus

Die Lebensqualität sowie die Freizeitmöglichkeiten in der Schweiz sind für uns deutlich höher. Velofahren und Wandern gehören inzwischen fest zu unseren Hobbys.

Mit unserem heutigen Wissen würden wir niemals nach Deutschland zurückkehren. Unser Horizont hat sich mehr als nur erweitert. Wir sind von tiefstem Herzen glücklich und fühlen uns sehr wohl hier. Die Schweiz fühlt sich wie Nachhausekommen an – und ist seit einem Jahr unser neues Heimatgefühl.

Wir hoffen, euch hat der Beitrag gefallen. Lasst uns gerne einen Kommentar da – wir freuen uns auf den Austausch. 🤍

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