Wieso genau die Schweiz?

von | 02.02.2026 | 0 Kommentare

„Was wollt ihr denn in der Schweiz? Dort ist doch eh alles teurer!“
„Ihr seid doch verrückt, hier alles in Deutschland aufzugeben!“
„Euch geht es doch gut – warum das alles?“

Diese Sätze haben wir unzählige Male gehört.
Manche aus Sorge, manche aus Unverständnis, manche mit einem Kopfschütteln.
Und ja – manchmal haben sie auch in uns Zweifel ausgelöst.

Doch irgendwann stellt man sich nicht mehr die Frage, was andere denken,
sondern nur noch eine einzige: Ist das hier wirklich noch unser Leben?

Gelmerbahn in der Schweiz

Auswanderung in die Schweiz

Als Thomas mich im September letzten Jahres ernsthaft mit dem Thema Auswandern konfrontierte, musste ich innehalten. Nicht, weil es sich falsch anfühlte – sondern weil ich spürte, dass dieser Gedanke etwas in mir berührte, das schon lange da war.

Was wollen wir für unsere Zukunft?
Wie möchten wir leben?
Und vor allem: Wie möchten wir uns fühlen?

Das Thema Auswandern kam bei uns nicht über Nacht. Es begleitete uns schon lange. Immer wieder wurde es angesprochen, belächelt oder abgetan – vor allem von Menschen, die uns nahestehen. Doch genau diese Menschen wissen auch: Wenn wir etwas wirklich wollen, dann ziehen wir es durch.

So war es mit unserer Beziehung.
So war es mit der Eigentumswohnung.
So war es mit unserem Haus.

Wir wirken auf manche vielleicht sprunghaft oder verrückt. In Wahrheit gehen wir Entscheidungen sehr bewusst an. Wir reden, diskutieren, zweifeln, wägen ab – oft bis spät in die Nacht. Und wenn die Entscheidung einmal gefallen ist, gibt es kein Zurück mehr.

Lieber scheitern wir, als uns irgendwann zu fragen: „Was wäre gewesen, wenn …?“

Pflege am Limit

Thomas kennt meine letzten Arbeitsjahre nur zu gut.
Schon vor Corona waren die Bedingungen in der Pflege schwierig. Personalmangel, hoher Druck, wenig Zeit – aber man hat funktioniert. Man hat durchgehalten. Man hat sich eingeredet, dass es schon irgendwie weitergeht.

Dann kam Corona.

Was folgte, war eine Zeit, die mich nachhaltig verändert hat.
Zu wenig Personal.
Kaum oder unzureichende Schutzausrüstung.
Ständig neue Regeln, neue Vorgaben, neue Verantwortung – aber kaum Rückhalt.

Pausen waren Luxus. Überstunden selbstverständlich. Dienste wurden spontan geändert, freie Tage gestrichen. Die körperliche Erschöpfung war enorm – die seelische noch viel mehr.

Wir in der Pflege haben geliebt, was wir tun. Aber wir wurden zunehmend ausgebrannt.
Verheizt.
Alleingelassen.

Mit jeder Kündigung im Team wurde die Belastung größer. Die Stimmung angespannter. Die Fehleranfälligkeit höher. Und trotzdem erwartete man von uns, immer zu funktionieren – immer freundlich, immer belastbar, immer professionell.

Ich bin ein optimistischer Mensch. Doch irgendwann konnte ich in diesem System nichts Positives mehr sehen.

Auch der Umgang mit Patienten veränderte sich. Viele erwarteten sofortige Hilfe, sofortige Linderung. Wartezeiten wurden kaum noch akzeptiert. Die viel zitierten „Helden“ fühlten sich im Alltag oft sehr allein.

Wenn auch privat alles zerbricht

Parallel dazu durchlebten wir privat eine Zeit, die uns tief geprägt hat.
Ein Herzenswunsch – unser größter – blieb unerfüllt.

Mehrmals.
Hoffnung.
Warten.
Bangen.
Und am Ende wieder Enttäuschung.

Mehrere künstliche Befruchtungen sind gescheitert. Jeder Versuch nahm uns ein Stück Kraft, ein Stück Vertrauen, ein Stück Leichtigkeit. Nach außen funktionierten wir. Innen sah es oft ganz anders aus.

Die Belastung aus Beruf und privatem Schmerz wurde irgendwann zu viel.
Unsere Nerven lagen blank, vor allem meine.
Die Erschöpfung saß tief.
Und wir merkten: So können wir nicht weitermachen.

erste CHF

Neue Energie – neue Perspektive

In genau dieser Phase war Thomas mein Anker – und mein persönlicher Google-Meister 😊

Er begann zu recherchieren. Zu lesen. Zu vergleichen.
Arbeitsbedingungen. Wertschätzung. Gesundheitssysteme. Lebensqualität.

Und irgendwann war sie da: die Schweiz.

Plötzlich war wieder dieses Gefühl da. Hoffnung. Neugier. Ein leises Brennen im Herzen.
Zum ersten Mal seit Langem fühlte sich Zukunft nicht mehr schwer an.

Dabei war Thomas in Deutschland immer zufrieden in seinem Beruf. Gleitzeit, Dienstwagen, freie Wochenenden und Feiertage – er hatte vieles. Und trotzdem war er bereit, all das hinter sich zu lassen, um diesen Schritt mit mir zu gehen.

Heute arbeiten wir beide mehr Stunden als früher. Aber wir sind ruhiger. Klarer. Glücklicher.

Unsere Auswanderung in der Schweiz

Innerhalb von drei bis vier Monaten haben wir unser Leben in Deutschland komplett aufgelöst. Unser Haus verkauft. Abschied genommen.

Wir fanden eine wundervolle Wohnung im Baselland, unsere Jobs waren schnell fix. Während der Organisationsphase wurde Weil am Rhein, am Dreiländereck, zu unserem zweiten Zuhause.

Unsere Familie reagierte mit Sorge und Unverständnis. Und ja – das tat weh.
Doch wir hoffen, dass sie heute sehen, wie gut uns diese Entscheidung tut.

Abschiedstorte Basel

Und ganz ehrlich:
Es hätte auch Bali sein können.

Ein kleiner Einwand zum Schluss

Nein, es ging nie nur ums Geld. Auch wenn das viele vermuten.
Ja, es spielt eine Rolle – aber es war nicht der Hauptgrund.

Wir leben nun seit einigen Monaten in der Schweiz. Und dieses Land hat uns auf vielen Ebenen überrascht: Ein liberales System, eine moderne und effiziente Bürokratie, bessere Arbeitsbedingungen – und vor allem Lebensqualität.

Man fühlt sich respektiert.
Gesehen.
Ernst genommen.

Mein Lieblingsspruch „Back to the roots“ passt hier perfekt.
Wir sind wieder angekommen.
Bei uns selbst.
Als Paar.
Als Menschen.

Das schönste Kompliment kam von meiner kleinen Schwester:
„Steffi, du bist wieder die Alte.“

Ich bin unendlich dankbar, dass mein Mann diesen Weg mit mir gegangen ist. Dass er an uns geglaubt hat – auch in Momenten, in denen ich selbst kaum noch Kraft hatte.

Unser Fazit – und ein Blick nach vorn

Die Schweiz war für uns kein „Fluchtort“, sondern eine bewusste Entscheidung für uns, für unsere Ehe und für unsere Zukunft. Für mehr Respekt im Arbeitsalltag. Für Strukturen, die tragen, statt zu zermürben. Für ein Leben, das nicht nur aus Pflichten besteht, sondern auch aus Raum zum Atmen.

Heute sind wir nicht sorgenfrei. Auch hier ist nicht alles perfekt. Aber wir fühlen uns wieder handlungsfähig. Wir haben wieder Energie. Wir lachen mehr. Wir schlafen besser. Und wir spüren wieder, wer wir sind – einzeln und gemeinsam.

Vielleicht war genau das der wichtigste Schritt:
Uns selbst ernst zu nehmen.
Unsere Grenzen zu akzeptieren.
Und uns zu erlauben, einen anderen Weg zu gehen, auch wenn nicht jeder ihn versteht.

Bis heute bereuen wir keine einzige Sekunde unserer Entscheidung.

Danksagung

Zum Schluss möchten wir Christian, dem „Auswanderluchs“, von Herzen danken:
👉 https://auswanderluchs.ch/

Seine Blogbeiträge, YouTube-Videos und Instagram-Storys haben uns durch diese intensive Zeit begleitet. Die Planung war oft nervenaufreibend – seine Tipps und Erfahrungen waren unbezahlbar.

Danke für diese wertvolle Unterstützung.

liebe Grüsse

Steffi & Thomas

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