Arbeitsbedingungen in der Pflege – Schweiz vs. Deutschland

von | 01.02.2026 | 2 Kommentare

Ein persönlicher Erfahrungsbericht

Heute möchte ich über meine Erfahrungen als diplomierte Pflegefachfrau in der Schweiz im Vergleich zu Deutschland berichten. Einer der Hauptgründe für unseren Umzug war meine berufliche Perspektive in der Pflege. Seit vielen Jahren ist in Deutschland eine deutliche Kehrtwende spürbar – leider zum Negativen. Die Arbeitsbedingungen waren für mich persönlich nicht mehr tragbar, eine Veränderung war notwendig.

Nach nun einem Jahr in der Schweiz möchte ich einen kleinen Zwischenstand geben. Dieser Beitrag basiert ausschließlich auf meiner persönlichen Erfahrung und kann von anderen durchaus anders wahrgenommen werden.

Allgemeine Voraussetzungen

  • Mindestens dreijährige Ausbildung
  • Mindestens zwei Jahre Berufserfahrung
  • Vom SRK anerkanntes Diplom
  • Lückenloser Lebenslauf
  • Fließende Deutschkenntnisse in Wort und Schrift
  • (Französisch oder Italienisch sind ein klarer Pluspunkt)

Zunächst musste mein deutscher Titel „examinierte Gesundheits- und Krankenpflegerin“ über das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) anerkannt werden. Der Prozess verlief unkompliziert. Es mussten ein bis zwei Rechnungen beglichen werden, insgesamt ca. CHF 680.

Diese Anerkennung dient als Qualitätssicherung im Umgang mit Patientinnen in der Schweiz. Dadurch wurde meine Ausbildung vollständig anerkannt und ich konnte mich auf vergleichbare Stellen bewerben – inklusive entsprechender Lohnansprüche.

Ablauf

  • Ausfüllen eines PreChecks
  • Beantragung des Führungszeugnisses in Deutschland
  • Schnelle positive Rückmeldung 😊
  • Einreichung der Gesuchsunterlagen
  • Zahlung der Gebühren
  • Nach ca. 3 Monaten: offizielle Anerkennung als diplomierte Pflegefachfrau

Gut zu wissen für Interessierte

Mit einem positiven PreCheck kann man sich ohne Probleme an Schweizer Krankenhäuser bewerben, für die PDL stellt es keine Probleme dar. Das Procedere ist bekannt, da wirklich viele Deutsche in der Schweiz arbeiten. Falls es zu einer Anstellung kommt, sollte man zeitnah die erforderten Dokumente nachreichen.

Eigentlich Bewerbung

Ich muss gestehen, es ging alles einfacher als gedacht. Da ich in NRW auf dem Notfall gearbeitet habe und mir auch weiterhin nichts anderes vorstellen konnte, habe ich speziell im Internet nach Stellen für den Notfall gesucht. Uns war schnell klar, dass wir direkt in die Schweiz auswandern. Die Grenzgänger-Option kam nicht in Frage. Somit habe ich mich für Stellen im Umkreis Basel / Baselland umgesehen. In der engeren Auswahl war UNI-Basel und mein KH im Baselland.

Da mein aktuelles KH ähnlich war wie meine alte Stelle in Deutschland, etwas kleiner und persönlicher, viel die Entscheidung schnell. Mein Bauchgefühl hat mir eindeutige Zeichen gesendet. Beim Hospitieren waren alle (Pflege sowie Ärzte) sehr freundlich und zuvorkommend und waren wirklich an der Person „Steffi“ interessiert. Ich habe mich direkt wohlgefühlt. 

Schon beim Hospitieren sind mir grundlegende Unterschiede aufgefallen:

  • Dienstzeitenmodell (42h/pro Woche)
  • Wertschätzung
  • Kommunikation und Qualität
  • Wissen sowie Aufgabenbereich der Pflegekräfte
  • Anzahl vom Personal auf dem Notfall
  • Urlaubsanspruch von 25 Tagen im Jahr („Ferien“ in der Schweiz genannt) > dies ist allerdings Altersabhängig

Die großen Unterschiede im Detail

  • Deutlich höhere Wertschätzung
  • Strukturierte und tatsächlich durchgeführte Einarbeitung
  • Pflegewissen wird ernst genommen – auch ärztlich
  • Flache Hierarchien, echte Gleichstellung
  • Deutlich besseres Gehalt
  • Hohe Qualitäts- und Kompetenzanforderungen
  • Eigenverantwortliches Arbeiten wird gefördert

Aufgabenbereich der Pflege

  • Venflon legen
  • Blutabnahmen
  • Erhebung der Vitalparameter
  • Eigenständige Triage

Das Arbeitsspektrum ist größer, aber klar definiert.

Arbeitspensum

  • Frei wählbar von 20–100 %
  • 100 % arbeiten nur wenige 😊
  • Lebensqualität wird aktiv gefördert und ernst genommen

Die Arbeitsbedingungen auf dem Notfall

  • Der Empfang nimmt nur auf (Patientendaten > Eintrittsgrund wird festgelegt)
  • Dann kommt die Triage (eigentliche Einschätzung vom Patienten durch zuständiges Pflegepersonal)
  • Patienten wird zum zuständigen Bereich ans Pflegeperson übergeben (entweder Wartezone, Koje, Wundversorgung, Isolation oder Schockraum)
  • Unser Notfall ist im groben in zwei große Bereiche unterteilt (Süden-Norden)
  • Übergabe von Triage an Pflegepersonal
  • Dann beginnt die eigentliche Arbeit am Patienten (Venflon (Zugang) legen, Blutabnahme, Vitalparameter erheben, Medikamentengabe…)
  • Bei Besonderheiten Rücksprache mit Assistenzärzten bzw. Oberärzte
  • Sichtung und Diagnostik durch ärztliche Seite
  • ggf. Sono (Ultraschall), Röntgen / CT / MRT
  • Diagnosestellung
  • Verlegung bzw. Entlassung im besten Fall

Mein Feedback

Notfall Bruderholz

Ich kann mir heute nicht mehr vorstellen, in Deutschland in der Pflege zu arbeiten. Das Arbeitsumfeld in der Schweiz empfinde ich als deutlich attraktiver. Ja – wir arbeiten mindestens genauso viel, wenn nicht mehr. Aber die Atmosphäre ist eine völlig andere.
Man wird positiv gefordert, entwickelt sich weiter, Weiterbildungsmöglichkeiten werden geplant und zeitnah umgesetzt. Die Kommunikation mit den Leitungen ist offen und respektvoll.

Ich habe meinen Beruf hier wieder lieben gelernt. Man darf nicht erwarten, dass einem alles geschenkt wird – aber der Einsatz wird gesehen und wertgeschätzt. Trotz hoher Arbeitsbelastung bin ich heute ausgeglichener, zufriedener und glücklich in meiner Arbeit.

ganz liebe Grüsse Steffi

2 Kommentare

  1. Meine Partnerin (Gesundheits – und Krankenpflegerin) und ich (Quereinsteiger aus der Industrie/ Generalistik: Pflegefachmann) arbeiten beide auch in der Pflege. Meine Partnerin arbeitet auf einer Intensivstation, ich z.Z. in einer Psychiatrie, überlege aber auf eine Stroke Unit zu wechseln. Meine Partnerin fängt im Oktober`25 mit der Fachweiterbildung Intensivpflege und Anästhesie an (zwei Jahre). Wir überlegen auch beide in die Schweiz nach Ihrer Fachweiterbildung im Oktober`27 in die Schweiz einzuwandern. Wir fangen gerade an uns über alles zu informieren, sind aber noch etwas unsicher, weil es ein großer Schritt ist. Wir freuen uns aber für dich, dass du diesen Schritt gewagt hast und dein erstes Jahr so erfolgreich verlaufen ist. Wir drücken Dir die Daumen und wünschen Dir weiterhin in der Schweiz nur das Beste! Unsere Empfehlung an dich, komm bloß nicht zurück, wenn es dort so positiv verläuft. Es hat sich nicht verbessert, eher verschlechtert. Auch steigt die Gewalt gegenüber Pflegepersonal von Patienten und Angehörigen in den Kliniken rasant, zumindest keine Seltenheit mehr.

    Antworten
    • Lieber Mike,
      Danke für dein ausführlichen Kommentar. Wir können euch nur von unserer Seite bestärken, denn Schritt zu wagen. Natürlich ist es nicht einfach und man sollte sich etwas Zeit mit den Schweizern lassen, aber im nachhinein lohnt es sich sehr. Ihr könnt euch jederzeit bei uns melden, falls Ihr fragen oder anliegen habt. Wir haben einige Portale (Instagram, YouTube usw.), dort sind wir jederzeit erreichbar. Aktuell sind wir im dritten Jahr hier in der Schweiz und haben keine Sekunde bereut, eher das wir diesen Schritt nicht vorher gewagt haben 😉 Ganz liebe Grüsse von uns aus Bremgarten bei Bern

      Antworten

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